Die Anna-Wasilewska-Aula bot einen würdigen Rahmen für die Feier zum Nachbarschaftsvertrag und zur Gründung der VdG
Es ist ein doppelter Feiertag, den der Verband der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) am 11. September in der Anna-Wasilewska-Aula in Allenstein beging. Auf der einen Seite sollte das Jubiläumskonzert an den 35. Jahrestag des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags erinnern und auf der anderen dem 35-jährigen Bestehen des VdG einen würdigen Rahmen verleihen. In Anbetracht des vollen Saales, in dem die Mitglieder eines großen Teils der Gesellschaften der Deutschen Minderheit in Nordpolen für eine familiäre Atmosphäre sorgten, lässt sich das Unterfangen als gelungen bezeichnen.
Doch schon bevor die Feier begann, nutzten einige Vereine die Zeit für einen angenehmen Start in den Abend. Unter anderem die Rastenburger Gesellschaft der Deutschen Minderheit und der Kulturverein der Deutschen „Heimat" in Ortelsburg machten sich schon etwas früher auf den Weg nach Allenstein, um sich mit einer Führung durch die Altstadt ein Bild von der Hauptstadt der Woiwodschaft zu machen. Nach dieser Anstrengung warteten auf sie feierliche Reden und Ehrungen, Musik des Streichquartetts Quartetto Tonale aus Berlin und zum Abschluss ein Empfang zur Pflege der persönlichen Kontakte über die eigene Region hinaus.
Vielfältige Gäste ...
Die wichtigste Rolle des Abends fiel Dawid Wierzbicki zu, der die Moderation des Abends übernommen hatte und durch das abwechslungsreiche Programm führte. Begrüßen konnte er mit Aneta Brzyska vom Marschallamt, Aneta Łapińska vom Woiwodschaftsamt und Jarosław Słoma vom Sejmik der Woiwodschaft Ermland-Masuren drei Personen, die im Alltag viel mit den nationalen und ethnischen Minderheiten in der Region zu tun haben. Vom VdG waren u. a. drei Vertreter mit Wurzeln in Ostpreußen gekommen: Michael Schlueter, Dawid Bojarowski und Piotr Dukat, der als Vorsitzender der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit die Organisatoren im Vorfeld unterstützen konnte. Die Farben der Deutschen Minderheit im südlichen Ostpreußen hielten mehrere Vereine mit Heinrich Hoch, dem Vorsitzenden des Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren, an der Spitze hoch; darüber hinaus hatten Stephan Grigat, der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen (LO), sowie Dr. Sebastian Klappert vom Bundesministerium des Inneren und für Heimat persönlich den Weg nach Allenstein gefunden. Und da viele weitere deutsche Gesellschaften aus anderen nördlichen Woiwodschaften Polens kamen, war auch das Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Danzig in Person von Konsulin Diane Röhrig vertreten. Dazu kamen noch Vertreter von Organisationen, die mit der Deutschen Minderheit häufig zusammenarbeiten, wie Kornelia Kurowska von der Kulturgemeinschaft „Borussia" in Allenstein.
... Erinnerungen ...
Dieses bunt gemischte Publikum begrüßte als Festredner zum Thema „35 Jahre deutsch-polnischer Nachbarschaftsvertrag" Rafał Bartek, der Vorsitzende des VdG. Zum einen ging es um die direkten Auswirkungen des Vertrags, die die Gründung von Gesellschaften der Deutschen Minderheit in Polen ermöglichten. „Manche unserer Gründer hatten den Text des Vertrags immer in einer Mappe mit dabei, wenn sie Kollegen von anderen Gesellschaften Mut machen wollten. Auf diesen Text konnten sie sich seit 1991 immer berufen", erzählte Bartek. Zum anderen betonte er die wichtige Rolle der Deutschen Minderheit in Polen außerhalb der Region Schlesien und Oppeln: „Ihr seid zwar wesentlich weniger als wir im Süden, nichtsdestotrotz setzt Ihr Euch genauso entschieden für die deutsche Kultur und Identität ein."
In die gleiche Kerbe schlug Aneta Łapińska, die ein Grußwort des Woiwoden von Ermland-Masuren, Radosław Król, vortrug, aber auch aus eigener Erfahrung als ehemalige Beauftragte des Woiwoden für Minderheitenfragen lobende Worte für den Einsatz der Mitglieder der Deutschen Minderheit auf Gemeinde-, Kreis- und Woiwodschaftsebene fand. Ein anderes Thema fügte Diane Röhrig an, die in ihrer Ansprache neben der Brückenfunktion der Deutschen Minderheit eine weitere Folge des Nachbarschaftsvertrags aufgriff. „Gleichzeitig wurde damals das Deutsch-Polnische Jugendwerk gegründet. An etwa 68.000 Projekten haben inzwischen über 3,3 Millionen Jugendliche teilgenommen. Das ist gelebte Verständigung", so die Konsulin.
... und Ehrungen
Mitglieder der Deutschen Minderheit sind aktiv auf vielen Ebenen. Als Deutschlehrer sind sie an den eben genannten Millionen Kontakten beteiligt, sie sorgen jahrelang dafür, dass die Vereine buchhalterisch auf gesunden Füßen stehen, sie bringen Polen, Deutsche und manchmal noch Menschen anderer Nationen zusammen, sie halten als Handwerker die Räume ihres Vereins instand oder halten den Betrieb mit großem Einsatz am Laufen. Dafür wurden im zweiten Teil der Veranstaltung viele langjährige Aktive mit Diplomen, Ehrennadeln oder Ehrenmedaillen ausgezeichnet und vom Publikum reichlich mit verdientem Beifall bedacht. Aus der Woiwodschaft Ermland-Masuren wurden Sabina Reguła aus Neidenburg, Irena Solenski-Stankiewicz aus Johannisburg und Paul Gollan aus Bischofsburg mit einer Ehrennadel sowie Zofia Lachowska und Sylwia Koźluk aus Rastenburg mit einer Ehrenmedaille geehrt.
Umrahmt wurden die Reden und Auszeichnungen mit dem zweiteiligen Jubiläumskonzert des Streichquartetts Quartetto Tonale. Die vier Damen – Silke Rougk und Almut Witt an der Geige, Astrid Hengst an der Bratsche und Gesine Conrad am Cello – begeisterten das Publikum mit einem abwechslungsreichen Programm von klassischen Werken wie der Pizzicato-Polka bis hin zu Musical-, Film- und Jazzmelodien. Möglich wurde der Auftritt des Quartetts auch durch eine Kooperation des VdG mit dem Landesverband Mecklenburg-Vorpommern der LO unter Leitung von Manfred Schukat. Finanziell unterstützt wurde die Veranstaltung von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und dem polnischen Ministerium für Inneres und Verwaltung, Partner vor Ort war als Gastgeber das Zentrum für Erziehung und kulturelle Initiativen CEIIK in Allenstein.