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Die Ehrenbürgerwürde ist besondere Anerkennung ihres Handelns: Dazu gratuliert Landrat Marco Prietz Brigitte Junker voll Freude
Bild: Landkreis Rotenburg (Wümme)Die Ehrenbürgerwürde ist besondere Anerkennung ihres Handelns: Dazu gratuliert Landrat Marco Prietz Brigitte Junker voll Freude

Eine Kämpferin fürs Gemeinwohl

Brigitte Junker wird zur Angerburger Ehrenbürgerin ernannt

Michael Meyer
22.07.2026

Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde ist die bedeutendste Auszeichnung, die eine Stadt zu vergeben hat. Voraussetzung für die Verleihung sind deshalb besondere Verdienste um das Gemeinwohl. Nur selten wird diese besondere Würdigung ausgesprochen. Es war daher ein herausragender und feierlicher Augenblick, als der Vorsitzende des Rates der Stadt Angerburg [Węgorzewo] die Urkunde verlas und Brigitte Junker zur neuen Ehrenbürgerin der Stadt am Mauersee ernannte. Die Ernennung erfolgte im Rahmen des jährlichen Stadtfestes auf großer Bühne im Helwing-Park. Ratsvorsitzender Marek Lipski und Bürgermeister Krzysztof Kołaszewski hoben in ihren Ansprachen die besonderen Verdienste Junkers um die Stadt im Bereich der Völkerverständigung und der Unterstützung der sozial Schwachen hervor.

Bereits in diesem März hatte der Rat der Stadt Angerburg beschlossen, Brigitte Junker zur Ehrenbürgerin zu ernennen. Als Begründung wurden ihre Verbundenheit mit der Region, ihr unermüdliches Engagement für die Stadt und ihre Einwohner, die Unterstützung der Deutschen Gesellschaft Mauersee und der Johanniter-Sozialstation, der Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen, die Förderung der deutsch-polnischen Zusammenarbeit sowie die Begleitung des Schüleraustausches zwischen dem Ratsgymnasium Rotenburg (Wümme) und dem Lyzeum Węgorzewo angeführt.

Verbundenheit, Engagement, Aufbau, Förderung für Angerburg und Angerburger

Zu den ersten Gratulanten gehörte Landrat Marco Prietz, der anlässlich dieser hohen Auszeichnung mit einer Delegation des Landkreises Rotenburg (Wümme) nach Masuren gereist war. Landrat Prietz sagte: „Die Verleihung der Ehrenbürgerschaft einer polnischen Stadt an eine Deutsche ist eine besondere Geste der Versöhnung und der Freundschaft unserer Völker. Gleichzeitig schließt sich aber auch ein Kreis, denn eine dort geborene Ostpreußin wird wieder Teil der Gesellschaft ihrer Heimat."

Brigitte Junker wurde am 14. April 1940 als Tochter von Kurt Böttcher und Charlotte, geb. Lenga, auf dem Hof Lenga in Heidenberg im Landkreis Angerburg geboren. Der Name Lenga, also der Geburtsname ihrer Mutter, ist seit Mitte des 16. Jahrhunderts in Heidenberg nachweisbar. Damals verlieh man im Zuge der Gründung des Dorfes einem Lengi vier Hufen Wildnis. Aus diesen vier Hufen Wildnis entwickelte sich bis 1944 ein 153 Hektar großer landwirtschaftlicher Betrieb mit einer hervorragenden Herdbuchherde an Milchvieh, die zu den besten des Landkreises Angerburg gezählt wurde. Auf dem Besitz waren bereits damals zwei Schlepper im Einsatz. Auch besaß man ein Auto.

Während ihre Vorfahren mütterlicherseits aus dem Landkreis Angerburg stammten, kam ihr Vater aus der Nähe von Bromberg. Als das Gebiet im Zuge der Bildung des Korridors zu Polen kam, musste die Familie nach Lauenburg in Pommern übersiedeln. Ihre Eltern hatten sich bei einer Hochzeit von gemeinsamen Bekannten in Heidenberg kennengelernt. Am 9. April 1939 schlossen sie vor dem Standesbeamten in Kutten die Ehe. Die Trauung erfolgte am 10. April 1939 in der evangelischen Kirche durch Pfarrer Lekies. Damit die Großeltern väterlicherseits an der Taufe teilnehmen konnten, wurde Brigitte Junker am 27. Oktober 1940 in der Evangelischen Kirche St. Salvator zu Lauenburg in Pommern getauft.

Als der östliche Teil des Landkreises Angerburg am 23. Oktober 1944 geräumt wurde, begann die Flucht aus der angestammten Heimat der Vorfahren, um vor der herannahenden Roten Armee in Richtung Westen zu fliehen. Junker war damals vier Jahre alt. Im Treck, dem ihre Großmutter, ihre Mutter, ihre Tanten mit Kindern sowie sieben Instfamilien angehörten, flüchtete man zunächst nach Guttstadt im Aufnahmekreis Heilsberg. Als sich der Kessel schloss, floh man am 22. Januar 1945 über Braunsberg nach Heiligenbeil, in Richtung Frisches Haff. Ihre Mutter und sie hatten nun das Glück, dass Kurt Böttcher, Junkers Vater, Berufssoldat der Luftwaffe war. So wurde Brigitte Junker mit ihrer Mutter am 28. Januar 1945 aus dem eingekesselten Ostpreußen ausgeflogen und musste nicht den Landweg und die gefahrenvolle Überquerung des Haffs antreten. Mit einer Zwischenlandung auf dem Fliegerhorst Rahmel kam man in Fürstenwalde an. Mit der Bahn führte die Flucht sie über Berlin nach Thüringen, wo sie sich am 1. Februar 1945 in der Nähe von Weimar in Rottdorf anmeldeten. Dort blieben beide ein Jahr. In Gütersloh, wo sich der Vater in britischer Kriegsgefangenschaft befand, fand die Familie wieder zusammen. Zunächst in zwei kleinen Zimmern, bis dann in Herzebrock im damaligen Landkreis Wiedenbrück, heute gehört der Ort zum Landkreis Gütersloh, 1954 mit viel Eigenleistung ein neues Eigenheim errichtet wurde. Nach dem Besuch der Mittelschule und einer Ausbildung zur Industriekauffrau folgte die Tätigkeit in einem Autohaus in Bad Segeberg. Danach wechselte sie in eine Hamburger Werkzeughandlung und blieb dort bis zum Eintritt in den Ruhestand als Hauptabteilungsleiterin der Buchhaltung.

Unverhoffte Reise nach Ostpreußen

Eher zufällig besuchte Brigitte Junker im Sommer 1976 erstmals nach der Flucht Ostpreußen. Die vom Landkreis Rotenburg (Wümme) organisierte Reise wollte eigentliche ihre Tante, Traute Lenga, mitmachen. Als Hauptkommissarin der Kriminalpolizei hatte man ihr allerdings das Visum verwehrt, sodass Brigitte Junker den Platz übernahm.

Seitdem ist Junker ungezählte Male in Angerburg gewesen, hat dort Kontakte geknüpft und auch Freundschaften geschlossen. Später organisierte sie selbst Busreisen nach Angerburg und brachte vielen Rotenburgern ihre Heimat näher. Dabei durften die Besuche auf dem Hof Lenga in Heidenberg [Grodzisko] nicht fehlen. Viele Jahre pflegte sie mit den späteren Eigentümern des Resthofes ein freundschaftliches Verhältnis, bis diese nach Warschau verzogen. Von diesen netten Leuten wurden Gäste immer gerne empfangen, über den Hof geführt und mit allerlei Köstlichkeiten bewirtet. Durch den stetigen Kontakt mit den heutigen Bewohnern ihrer Heimat hat sie das notwendige Fundament für ein gutes Verhältnis zwischen Polen und Deutschen geschaffen.

Brigitte Junker engagiert sich seit 1981 für die Kreisgemeinschaft Angerburg. Seit 1983 gehört sie dem Kreisausschuss an und seit 1994 ist sie die Schatzmeisterin.

Zudem engagiert sie sich im Bereich der ostdeutschen Kulturpflege. Von 1994 bis 2013 war sie im Vorstand der Ostpreußischen Kulturstiftung tätig. Seit dem 24. November 2001 ist Junker Schatzmeisterin der Stiftung Ostpreußen. Gleichzeitig hat sie in dieser Zeit die Stiftung Ostpreußen im Gremium der übergeordneten Stiftung „Nordostdeutsches Kulturwerk" vertreten. Seit 2014 ist sie ebenfalls Mitglied im Stiftungsrat der Ostpreußischen Kulturstiftung.

Die Landsmannschaft Ostpreußen würdigte ihr Wirken mit der Verleihung des Silbernen und des Goldenen Ehrenzeichens. Der Bundespräsident verlieh ihr für ihren außergewöhnlichen Einsatz für Angerburg und Ostpreußen im Jahre 2018 die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik. Durch die Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Angerburg erfährt ihr Wirken nochmals besondere Anerkennung.