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Taucher finden Wrack der „Karlsruhe“

Erforschung des Schiffswracks in 88 Metern Tiefe – Neue Spekulationen um Bernsteinzimmer
Kopfüber am Meeresgrund liegend: Könnte sich in den verschlossenen Kisten im Umfeld des Schiffswracks das verschollene Bernsteinzimmer befinden? Foto: Screenshot MDR

Von Wolfgang Kaufmann

Lange war unklar, wo genau die „Karlsruhe“, die 1945 an der Evakuierung von Flüchtlingen und Verwundeten aus Ostpreußen beteiligt war, auf dem Meeresgrund ruht. Erst im vergangenen Monat konnte die polnische Tauchergruppe Baltictech um Lukasz Piotrewicz und Tomasz Stachura diesbezüglich fündig werden, nachdem sie ein Jahr lang nach dem Wrack gesucht hatte. Es liegt einige Dutzend Seemeilen vor Stolpmünde [Ustka] in 88 Metern Tiefe und wurde – obzwar kopfüber liegend, stark beschädigt und stellenweise mit zwei Meter dickem Schlick bedeckt – anhand seiner Schraube und Aufbauten zweifelsfrei identifiziert.
War das Bernsteinzimmer an Bord?
Dabei waren die Tauchgänge hinunter zur „Karlsruhe“ kompliziert und gefährlich: Die Dekompression beim Wiederaufstieg dauerte geschlagene zweieinhalb Stunden, was die Einsatzzeit vor Ort auf lediglich 30 Minuten begrenzte. Dennoch konnten die Baltitech-Mitglieder das gesunkene Schiff und dessen Ladung gründlich von außen inspizieren. Sie sichteten die Reste von Militärfahrzeugen, Geschirr aus der 1763 gegründeten Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin sowie zahlreiche verschlossene Kisten. Deren Inhalt ist noch völlig unklar – aber mittlerweile wird immer lauter gemunkelt, dass es sich um das Bernsteinzimmer handeln könne. Eine Überprüfung dieser Theorie ist freilich erst dann möglich, wenn das hierfür zuständige Meeresamt in Gdingen [Gdynia] die Bergung genehmigt und das heikle Unternehmen anschließend auch gelingt. Dann könnte eines der letzten großen Rätsel des Zweiten Weltkrieges und der ostpreußischen Geschichte gelöst werden.
Einstmals diente das Bernsteinzimmer als Unterpfand für gute Beziehungen zwischen Preußen und Russland: 1716 machte der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. die auch als „achtes Weltwunder“ bezeichneten Wandvertäfelungen aus ostpreußischem Bernstein Zar Peter dem Großen zum Geschenk. Bis 1941 befand sich das Kunstwerk im Katharinenpalast in Zarskoje Selo. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges wurde es nach Königsberg verlagert und im dortigen Schloss ausgestellt. Als dieses in die Reichweite alliierter Bomberverbände geriet, packte man das einzigartige Kulturdenkmal in 28 Kisten, deren Spur sich nach den verheerenden Luftangriffen auf Königsberg im August 1944 verlor. Allerdings gibt es Ernst zu nehmende Hinweise darauf, dass das ursprünglich 30.000 Taler teure „pretieuse Getäffel … eines Cabinets“ aus dem dekorativen fossilen Harz bis in den April des Jahres 1945 hinein in der ostpreußischen Hauptstadt verblieb und erst dann per Schiff den Weg nach Westen antrat.
Nach dem Zweiten Weltkrieg avancierte das Bernsteinzimmer quasi zum „Heiligen Gral“ der Schatzsuchergemeinde, welche bereits an etwa 130 Plätzen rund um den Globus nach der verschollenen Kostbarkeit gesucht hat. Darunter in Bunkern im einstigen Mauerwald [Mamerki] in Ostpreußen, Schloss Friedland in Tschechien, dem Stollensystem im Walpersberg bei Kahla in Thüringen sowie in Königsberg selbst. Darüber hinaus wurde aber auch immer wieder gemutmaßt, dass die besagten 28 Kisten mit einem der vielen Schiffe, die Anfang 1945 an der von der deutschen Kriegsmarine organisierten groß angelegten Evakuierung von Flüchtlingen und Verwundeten aus Ostpreußen teilnahmen und dabei durch Feindeinwirkung verloren gingen, auf den Grund der Ostsee sanken.
„Karlsruhe“ an Evakuierung beteiligt
Zu den möglichen Kandidaten für den im Geheimen durchgeführten Abtransport des Bernsteinzimmers zählt der 1905 in Dienst gestellte zivile Dampfer „Karlsruhe“ der Ernst Russ Reederei. Das lediglich 897 Bruttoregistertonnen große Frachtschiff erreichte nur eine Geschwindigkeit von rund sieben bis acht Knoten. Und das wurde der „Karlsruhe“ zum Verhängnis. Nachdem sie am 11. April 1945 mit 1083 Flüchtlingen und Soldaten sowie
360 Tonnen Fracht an Bord den Hafen von Pillau verlassen hatte und dann am Folgetag im Geleitzug mit dem Dampfer „Santander“ und drei Minensuchern der Kriegsmarine weitergelaufen war, blieb sie schließlich am Morgen des 13. April hinter dem Konvoi zurück. Damit wurde das Flüchtlingsschiff eine leichte Beute für die sowjetischen Seeflieger, die gegen 9.15 Uhr nördlich der pommerschen Hafenstadt Stolpmünde angriffen und die „Karlsruhe“ mit Bomben, Torpedos und ihren Bordgeschützen attackierten, bis der Frachter schließlich in zwei Teile zerbrach und innerhalb weniger Minuten unterging, wobei wohl über 900 Menschen starben.

Veröffentlicht am 21.10.2020
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